Black Space Riders – Refegeeum

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Nach drei Alben eigentlich keine unbekannte Band mehr, habe ich sie doch erst mit diesem Album kennen gelernt. Musik, die sich gar nicht so einfach einordnen lässt.

Wer „Space“ im Namen trägt geht natürlich musikalisch auch eine atmosphärisch-spacige Richtung, aber es ist auch eine Menge rohe Kraft in den Songs, die dem Sound etwas noisiges verpassen,.

Endlich mal wieder ein Album mit Überraschungen und das nicht nur, da ich die Band vorher nicht kannte. An vielen Stellen fühlt man sich an Harmful erinnert und in einigen wenigen Passagen (Universal Bloodlines) klingt der Gesang irgendwie nach Life of Agony zu ihren guten Zeiten. Aber die Summe ist dann etwas ganz eigenes. Die Gitarren dominieren einen Song mal mit einfachen aber einprägsamen Riffs, der Gesang rückt völlig in den Hintergrund, dann wieder klingt der Gesang deutlich aber leicht und fast nachdenklich, während die Band ein spaciges Soundgewölbe dazu entstehen lässt.

Wenn man wie ich großer Harmful oder Mclusky Fan ist, fühlt man sich an vergangene Noise-Rock Zeiten erinnert, aber ganz ohne Wehmut. Black Space Riders klingen nicht wie ein Band von damals, sondern wie eine von heute mit Wurzeln in einer noisigeren Zeit. Der Name ist Musik, Dunkelheit trifft auf Weite, Black auf Space.

„Born a Lion“ ist der Anspieltipp des Albums. Ein wundervoller Ohrwurm, der einen tagelang begleitet. Tolles Songwriting in dem sich alles vereint. Die Gegensätze, von denen das Album lebt, vereinen sich in einem Song. Ein atmosphärischer Anfang mit viel Echo im Gesang startet den Song, danach folgt die weite mit spacigen Gitarren und der Song schließt mit einem punkigem Ende.

Wenn ich mir was wünschen würde, wäre es an der ein oder anderen Stelle ein nicht ganz so sauberer Sound. Ein bisschen mehr Noise täte den einprägsamen Songs und dem spacigen Sound sicher gut.

Kyelsa – Exausting Fire

 

Kylesa

Eigentlich sollen in diesem Blog Bands im Mittelpunkt stehen, die nicht in aller Munde sind und gerade ihr achtes Album veröffentlicht haben. Leider ist das neue Kylesa Album „Exhausting Fire“ aber so genial, dass es einfach nicht übergangen werden kann.

Kylesa war ein bisschen aus meiner Heavy Rotation verschwunden. Spiral Shadows und Ultraviolet waren gute Alben, die aber einfach nicht mehr so im Ohr blieben wie Static Tension. Mit Crowded Road blieb von Spiral Shadows noch ein Ohrwurm hängen, aber das ganze Album war nicht mehr so durchhörbares Gesamtkunstwerk wie sein Vorgänger. Ultraviolet war gut und nett, aber leider noch weiter von dem entfernt, was an der Band so gefällt. Klar, wenn das die Richtung ist, in die sich eine Band entwickelt, muss man sie auch als treuer Fan ziehen lassen. War es aber nicht.

Exhausting Fire ist die Perfektion dessen, was Static Tension ausgemacht hat. Ein komponiertes Werk, ein einziger Song mit unterschiedlichen Stimmungen, Melodien und Aussagen. Immer wider greifen Kylesa Melodie-Fragmente auf, beispielsweise wird der Song Drive in dem Titel davor The Sothern Sky Falling schon vorsichtig angespielt. Themen aus Moving Day tauchen in Blood Moon wieder auf und viele Bespiele mehr. Immer ein Markenzeichen Kylesas, das sie auf den beiden letzten Alben etwas aus den Augen verloren haben.

Gleichzeitig sind die Songs bessere Ohrwürmer, die man nach dem ersten hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Und dass, obwohl die Gesangsstimmen noch weiter in den Hintergrund getreten sind. Gesanglich ist dieses Album wahrscheinlich das ruhigste, das Kylesa rausgebracht hat. Die dünn wirkenden Stimmen aus dem Hintergrund machen die Songs aber nicht ruhig, ganz im Gegenteil. Gitarren und die scheppernden Drums wirken noch mal deutlich betonter.

Auch wenn die ganze Zeit von Gesamtkonzept und Album die Rede war. Growing Roots ist Wahnsinns-Hymne, die man auch einfach so mal hören kann.

Album-Review: Eternal Black von Eternal Black

Auffällig theatralisches Gesangswerk – das wie eine Einladung wirkt. Man ist dazu gezwungen, sich auf eine Reise in den Zeitraum zwischen mentalem Tod und tatsächlichen physischem Abtreten zu begeben. Erzählt wird die Geschichte eines Wandlers, der nichts mehr hat außer den Willen, den Löffel abzugeben. Dabei beschwört er den Exodus beinahe herbei. Ziemlich doomige Ansicht? Absolut. Und das ganze wird so authentisch in Melodien gepackt, dass man der Band alles glauben würde, was sie einem erzählt.

Der Gitarrensound ist ein wenig trocken, was an sich nicht schlecht klingt. Allerdings könnte man beim Abmischen noch einen Hauch mehr Volumen ergänzen – der Wuchtigkeit zu Liebe. Absoluter Lieblingssong des Albums ist „The Dead Die Hard“, das sicher vor allem an der Stimme des Lead-Sängers liegt, der so eingängige Salven von sich gibt, die einen einfach abholen müssen. Das ganze geht in Richtung Orange Goblin, nur viel doomiger und langsamer. Die Drums wirken für jemanden, der im Beat Firlefanzen sucht, ein wenig zu einschichtig aber wir behaupten, es passt einfach auch sehr gut – alles andere würde vom eigentlichen Sound-Kern ablenken. Die Jungs haben ihre Boxen übrigens in Brooklyn, New York, stehen – nehmen diese aber hoffentlich auf die nächste Tour mit, die wir sicher live miterleben werden. Daumen hoch.

Album Preview: HIGH TESTAMENT von FOGG

Blumenkinder, die sich Totenköpfe auf die Brust tätowieren lassen, sind ja im Moment ziemlich angesagt. Liegt es daran, dass Standard-Stoner-Rock auch für Gitarristen spielbar ist, die so virtuos wie Reptilien sind oder weil die die Gitarre bei der letzten Lagerfeuer-Session versehentlich ein Eck zu tief gestimmt war und man bemerkt hast, dass Simon Garfunkel in Metal-Version doch gar nicht so schlecht klingt? Wir wissen es nicht. Trotzdem ist uns diese Entwicklung immer noch lieber, wie das USB-Stick-Performance-Gehampel, das uns tagtäglich Darmwinde beschert.

Fogg scheinen der Gattung New-Age-Hippie anzugehören. Scheinen, wohl vermerkt, denn in ihrem neuen Album „High Testament“ dringt durchaus mal ein bisschen „Böse“ durch. Obwohl so manche Passagen, im streambaren Song „Mountain“ an ein Wolfmother ohne Wolf erinnern. Erwarten kann man eine gehauchte, übelst gechillte Stimme, die man nur von sich selber kennt, wenn man den Tabak in seine Sportzigarette vergessen hat oder die Freundin ganz besonders lieb zu einem war. Das Riffing bewegt sich, wie schon erwähnt, irgendwo zwischen australischem Wildhund-Welpen-Schutz und amerikanischer Orange-AMP-Jüngerschaft. Die von der Band selbstgewählte Genre-Beschreibung „US Heavy Psychedelic Rock“ trifft den Stil eigentlich ganz gut: Viel Lob an die Natur, eine Menge „lass uns zusammen high sein“ – man bekommt, was man erwartet. Nur leider aber auch nicht mehr. Egal. Wir mögen langsamen Psych-Rock. Blumen. Und das Leben. Man darf also gespannt sein und wartet auf das Gesamtwerk.

Hang the Bastard live by Rockavaria

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An einem Samstag um 14:00 auf einem Konzert zu erscheinen ist schon nicht einfach, schon gar nicht, wenn man am Abend davor auch bereits auf einigen Konzerten unterwegs war. Rockavaria war jetzt nicht so der Hit und passt auch nicht ganz in meinen Musikgeschmack. Da war viel dabei, was man sich „mal ansehen“ konnte, aber eben auch einige Hits – zum Beispiel Hang the Bastard!

Ich habe die Band noch nie live gesehen, das Album „Sex in the Seventh Circle“, das mich mit der Band bekannt gemacht hat, ist auch erst von 2014. In strahlendem Sonnenschein erwarte ich also auf der unsäglichen Theatron Bühne Hang the Bastard.

Definitiv keine Band fürs Tageslicht und schon gar keine fürs Rockavaria Festival, Entertainer sind in der Band keine zu finden. Der Sound war klasse, die Band hat die Songs klasse wiedergegeben. Die Mischung aus rifflastigen, mit schnelleren Drums versehenden Teilen der Songs mit getragenen Teilen mit dem fauchenden Gesang, ist – dem Markenzeichen des neuen Sounds des aktuellen Albums – war aber wohl eher nichts für den durchschnittlichen Festivalbesucher.

Die Show wurde mit „Keeping Virgil“ eröffnet, danach folgten fast nur Songs von „Sex in the Seventh Circle“, mit dem Titeltrack des Albums – dem kleinen Hit – hörte die Show auch beinahe auf.

Nach einem kurzen „Danke“ und dem ersten Einpacken der Instrumente ist wohl aufgefallen, dass noch fünf Minuten zu füllen waren. Also gab es noch eine vom Publikum nicht verlangte aber wohlwollend aufgenommene Zugabe.

Mit der fehlenden Party Show haben Hang the Bastard sicher keine neue Fans gewonnen, mit den ungewöhnlichen Songs und einem sehr guten und gewaltigen Sound aber sicher. Auch am quasi frühen Morgen. Den Rest der Zuschauer haben sie mit der Bühnendeko für sich gewonnen.

https://www.facebook.com/hangthebastard

http://hangthebastard.co.uk/

http://www.hangthebastard.bigcartel.com/

Saved by Fear von Dukatalon

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Am schönsten schreibt es sich ja über frische Bands mit brandneuen Alben, wenn man aber Pech hat, entdeckt man eine Band erst vier Jahre nach dem Erscheinen des letzten Albums. Im Fall von Dukatalon auch das bisher einzige.

Saved by Fear ist das 2009 erschienene und 2010 durch Relapse Records neu veröffentlichte Debut. Ein Album, das sich gut in jeder Sludge Sammlung macht, in der es auch etwas härter zugehen darf. Dabei meint hart nicht die Geschwindigkeit, sondern bezieht sich besonders auf den Gesang. Heiseres Growlen, teilweise mit vielen Effekten versehen, das kaum aus dem Gesamtsound rauszuhören ist. Der Sound von Dukatalon wird eh von gewaltigen Gitarren dominiert. Irgendwann hört man auf, die verschiedenen Gitarrensounds übereinander zu zählen. Es dominieren schwere, getragene Riffs mit hohem Wiedererkennungswert, dazu gibt es aber immer noch einige Solostimmen, teils klassische Gitarrensoli, die sich auf einem Stoner-Rock Album super machen würden, teils einfach nur eine Erweiterung des Riffs oder einfach eine weitere Melodie, die sich durch die Song durchzieht. Eine akkustische Wand, die ein sehr tiefer, intensiver Bass untermalt. Mal stimmig, mal mit der genau richtigen Disharmonie.

Die Drums schleppen die ganze Soundwand durch die Songs. Getragen und unaufgeregt untermalen sie eigentlich nur die Riffs.

Die Songs leben von den schweren aber deutlichen Riffs, auch wenn die Stimme kaum zu hören ist, nimmt man einen Ohrwurm mit. Besonders Spaß macht „Vagabound“, ein Song, der den Sound der Band perfekt zusammenfasst.

Die ersten vier Songs donnern gewaltig aber getragen dahin, ausgerechnet der Titeltrack überrascht dann als melodisches, fast schon kitschiges Acoustic Intrumental. Danach geht es weiter mit dem gewohnten Sound, die Pause kam aber sehr sympathisch rüber und war fast schon nötig.

Den gewaltigen Sound produziert ein Trio aus Israel, mal sehen, ob sie es mal live nach Europa schaffen.

Dukatalon passt perfekt zwischen Demonic Death Judge und Hang the Bastard.

https://www.facebook.com/Dukatalon

http://www.relapse.com/label/artist/dukatalon.html

The Crash And The Draw von Minsk

Die Phase zwischen wach-sein und in den Schlaf-driften ist magisch. Wenn das Unterbewusstsein anfängt, sämtliche Logik und Willkür im Keim zu ersticken. Wenn Entspanntheit dazu führt, dass Gedanken wie Geier über dem eigenen Kadaver kreisen und sich gelegentlich Stücke von Vergangenheit picken, um die neugeborene Brut der zukunftsweisenden Träume nähren, dann sind wir gerade da angekommen, wo der Sound von Minsk zum Greifen beginnt. Eine Wolke aus sphärischen Disharmonien, die postapokalyptischen Metal-Output auf die Felder, der nach Dramatik-lechzenden Hörerschaft nieselt, nährt so manchen Geduldigen. Die Frage, nach dem „kommt da noch was?“ ist berechtigt, denn eine gewisse Monotonie ist Minsk nicht abzusprechen. Wer rockende Achtel-Beats erwartet, bleibt bei dieser Band sicher unbefriedigt. Doch eines ist klar: In Sachen Sound-Ästhetik, Deepness und surrealistischen Melodie-Konstrukten findet man in „The Crash & The Draw“ eine durchaus ansprechende Vertonung. „To The Garish Remembrance Of Failure“ ist ein Song der schnell klar macht, dass Minsk trotz aller Graubereiche eine gewisse Struktur verfolgt, die dann schon auch mal ins Ohr geht. Neurosis- oder Pelican-Jünger brauchen sich also nicht zu fürchten vor dem Albtraum aus Peoria und Chicago, sollten aber auf eine etwas doomigere Gangart eingestellt sein. Das Album ist über Relapse Records digital, als CD und LP erhältlich.

http://thesoundofminsk.com/
https://minskband.bandcamp.com/
http://www.relapse.com/label/minsk-the-crash-and-the-draw-lp-black.html
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