Album-Review: Eternal Black von Eternal Black

Auffällig theatralisches Gesangswerk – das wie eine Einladung wirkt. Man ist dazu gezwungen, sich auf eine Reise in den Zeitraum zwischen mentalem Tod und tatsächlichen physischem Abtreten zu begeben. Erzählt wird die Geschichte eines Wandlers, der nichts mehr hat außer den Willen, den Löffel abzugeben. Dabei beschwört er den Exodus beinahe herbei. Ziemlich doomige Ansicht? Absolut. Und das ganze wird so authentisch in Melodien gepackt, dass man der Band alles glauben würde, was sie einem erzählt.

Der Gitarrensound ist ein wenig trocken, was an sich nicht schlecht klingt. Allerdings könnte man beim Abmischen noch einen Hauch mehr Volumen ergänzen – der Wuchtigkeit zu Liebe. Absoluter Lieblingssong des Albums ist „The Dead Die Hard“, das sicher vor allem an der Stimme des Lead-Sängers liegt, der so eingängige Salven von sich gibt, die einen einfach abholen müssen. Das ganze geht in Richtung Orange Goblin, nur viel doomiger und langsamer. Die Drums wirken für jemanden, der im Beat Firlefanzen sucht, ein wenig zu einschichtig aber wir behaupten, es passt einfach auch sehr gut – alles andere würde vom eigentlichen Sound-Kern ablenken. Die Jungs haben ihre Boxen übrigens in Brooklyn, New York, stehen – nehmen diese aber hoffentlich auf die nächste Tour mit, die wir sicher live miterleben werden. Daumen hoch.

Album Preview: HIGH TESTAMENT von FOGG

Blumenkinder, die sich Totenköpfe auf die Brust tätowieren lassen, sind ja im Moment ziemlich angesagt. Liegt es daran, dass Standard-Stoner-Rock auch für Gitarristen spielbar ist, die so virtuos wie Reptilien sind oder weil die die Gitarre bei der letzten Lagerfeuer-Session versehentlich ein Eck zu tief gestimmt war und man bemerkt hast, dass Simon Garfunkel in Metal-Version doch gar nicht so schlecht klingt? Wir wissen es nicht. Trotzdem ist uns diese Entwicklung immer noch lieber, wie das USB-Stick-Performance-Gehampel, das uns tagtäglich Darmwinde beschert.

Fogg scheinen der Gattung New-Age-Hippie anzugehören. Scheinen, wohl vermerkt, denn in ihrem neuen Album „High Testament“ dringt durchaus mal ein bisschen „Böse“ durch. Obwohl so manche Passagen, im streambaren Song „Mountain“ an ein Wolfmother ohne Wolf erinnern. Erwarten kann man eine gehauchte, übelst gechillte Stimme, die man nur von sich selber kennt, wenn man den Tabak in seine Sportzigarette vergessen hat oder die Freundin ganz besonders lieb zu einem war. Das Riffing bewegt sich, wie schon erwähnt, irgendwo zwischen australischem Wildhund-Welpen-Schutz und amerikanischer Orange-AMP-Jüngerschaft. Die von der Band selbstgewählte Genre-Beschreibung „US Heavy Psychedelic Rock“ trifft den Stil eigentlich ganz gut: Viel Lob an die Natur, eine Menge „lass uns zusammen high sein“ – man bekommt, was man erwartet. Nur leider aber auch nicht mehr. Egal. Wir mögen langsamen Psych-Rock. Blumen. Und das Leben. Man darf also gespannt sein und wartet auf das Gesamtwerk.

The Crash And The Draw von Minsk

Die Phase zwischen wach-sein und in den Schlaf-driften ist magisch. Wenn das Unterbewusstsein anfängt, sämtliche Logik und Willkür im Keim zu ersticken. Wenn Entspanntheit dazu führt, dass Gedanken wie Geier über dem eigenen Kadaver kreisen und sich gelegentlich Stücke von Vergangenheit picken, um die neugeborene Brut der zukunftsweisenden Träume nähren, dann sind wir gerade da angekommen, wo der Sound von Minsk zum Greifen beginnt. Eine Wolke aus sphärischen Disharmonien, die postapokalyptischen Metal-Output auf die Felder, der nach Dramatik-lechzenden Hörerschaft nieselt, nährt so manchen Geduldigen. Die Frage, nach dem „kommt da noch was?“ ist berechtigt, denn eine gewisse Monotonie ist Minsk nicht abzusprechen. Wer rockende Achtel-Beats erwartet, bleibt bei dieser Band sicher unbefriedigt. Doch eines ist klar: In Sachen Sound-Ästhetik, Deepness und surrealistischen Melodie-Konstrukten findet man in „The Crash & The Draw“ eine durchaus ansprechende Vertonung. „To The Garish Remembrance Of Failure“ ist ein Song der schnell klar macht, dass Minsk trotz aller Graubereiche eine gewisse Struktur verfolgt, die dann schon auch mal ins Ohr geht. Neurosis- oder Pelican-Jünger brauchen sich also nicht zu fürchten vor dem Albtraum aus Peoria und Chicago, sollten aber auf eine etwas doomigere Gangart eingestellt sein. Das Album ist über Relapse Records digital, als CD und LP erhältlich.

http://thesoundofminsk.com/
https://minskband.bandcamp.com/
http://www.relapse.com/label/minsk-the-crash-and-the-draw-lp-black.html
https://www.facebook.com/Minsk?fref=ts

Album-Review: Shadows von Valkyrie

Wie diese Besetzung aus Harrisonburg, Virginia, wirklich zu Stande gekommen ist, bleibt ungewiss. Wir leben allerdings in der Vorstellung, dass Pete Adams von der Sludge-Größe Baroness mal wieder Muttern besuchen wollte und beim Kuchenessen auf keinen geringeren gestoßen ist, als sein Brüderchen Jake. Die Gitarre war für beide neben den gemeinsamen Mädls (ja, Brüder teilen alles) schon immer die Nächste im Bunde, deshalb hat man wahrscheinlich bei einer gepflegten Tasse Tee Plus entschieden, den Stoner-Metal wieder salonfähig zu machen und dieser Mission den prestigeträchtigen Namen Valkyrie (deutsch: Walküre) gegeben. Was in der nordischen Mythologie ein weibliches Geisterwesen ist, das die ehrenvoll Gefallenen nach Walhall führt, beschreibt heute Gitarrenvirtuosität von einer breiten Getragenheit, melodiösen Duos der beiden Adams-Boys und starker 70ies-Hard-Rock-Prägung, ohne dabei auf ein brachiales Doom-Riffwerk zu verzichten. Das aktuelle Werk „Shadows“, wird am 17. Mai 2015 veröffentlicht und ist über Relapse Records digital als auch als LP erhältlich. Sofort lieben gelernt haben wir den groovenden Charakter des Songs „Golden Age“. Die Einfachheit seines Rhythmus, die heulende, ja vielleicht sogar flehende Stimme von Jake Adams, der die Band 2002 (damals noch in anderer Besetzung) ins Leben gerufen hat, und die röhrende Gitarrendynamik verschmelzen zu einem Track, den man durchaus episch schimpfen darf. Wir ziehen’s uns auf jeden Fall gerne rein und haben auch mit „Mountain Stomp“, dem zweiten vorab streambaren Lied eine passende Untermalung gefunden, wenn es mal wieder heißt: Hier ist’s scheiße – lasst uns den Spuren in die luftigen Höhen des Metal-Gebirges folgen. Sound an und los.

http://valkyrieband.com/
http://thevalkyrierides.bandcamp.com/
http://www.relapse.com/label/valkyrie-shadows-cd.html
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